Archive for the ‘2000-watt gesellschaft’ Category

was bedeutet’s eigentlich?

Friday, January 22nd, 2010

Physikalisch koorekt bedeutet die 2000-W-Gesellschaft nicht, dass 2000 Watt pro Jahr verbraucht werden. Vielmehr wird der Energieverbrauch einer Person im Zeitraum von einem Jahr in eine kontinuierliche physikalische Leistung, eben Watt, umgerechnet. Alles klar?

schlaf, Kindlein schlaf

Wednesday, October 7th, 2009

Es gab mal eine Zeit (…) da war die Schweiz ein Vorreiter im Klimaschutz. Wir waren eines der ersten Länder mit einem verbindlichen CO2-Gesetz, d.h. mit einer verpflichtenden Senkung der Emissionen gemäss Kyoto. Seither schläft die Schweiz. Während der Bundesrat nun Ende August 2009 eine Senkung von mindestens 20 Prozent bis 2020 verschlägt, geht heute sogar die EU weiter. Einmal mehr ist die Schweiz nur mehr ein Zuschauer.

Der Uno-Weltklimarat (IPCC) sagt: Eine Erderwärmung um 2 Grad kann das Ökosystem der Erde aus dem Gleichgewicht bringen, es sei denn wir reduzieren unseren Ausstoss von Treibhausgasen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent. So hat sich Schweden ein Reduktionsziel von satten 40 Prozent gesetzt.

Solche Ziele lassen sich in der Schweiz nicht erreichen. Solange die grösste Partei, die SVP, in ihrem Klimapositionspapier die Erderwährmung natürlichen Schwankungen zuordnet. Und solange der Wirtschaftsverband Economiesuisse die Entwicklung der Wirtschaft in Gefahr sieht.

Dass es sich dabei um eine grosse Chance handelt, weil zum Beispiel Arbeitsplätze in der Umweltindustrie geschaffen werden und Innovationen entstehen, merkt in der Schweiz wieder einmal (fast) keiner.

Grün, aber nicht links

Wednesday, October 7th, 2009

Fünf Jahre nach der Gründung haben sich die Grünliberalen als bürgerlich-ökologische Partei etabliert.

Fast aus dem Nichts gewann die Partei im Frühling 2007 10 Sitze im 180-köpfigen Zürcher Kantonsrat und erreichte einen Wähleranteil von knapp 6 Prozent, obwohl die Partei im Kanton sehr ungleich vertreten war. Jeder achte Stimmberechtigte im Bezirk Uster wählte eine Partei, die programmatisch noch nicht viel mehr zu bieten hatte als das Bekenntnis zu einer nachhaltigen Umweltpolitik, die Absage an linke Positionen in der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik und das Versprechen, sachorientiert zu politisieren.

Damit trafen die Grünliberalen aber ganz offensichtlich den Nerv einer jüngeren, gut gebildeten, urbanen Wählerschaft, die der forcierten Polarisierung zwischen den Grossparteien zur Linken und zur Rechten überdrüssig war. Das Etikett «grün, aber nicht links» hatte Zugkraft bewiesen. Die ursprünglich gehegte Vorstellung, Mitte-Anliegen mit der EVP und der CVP sowie fallweise weiteren Kräften durchzubringen, hat sich in Einzelfällen umsetzen lassen, aber eine vermarktbare «neue Mitte» ist im Zürcher Parlament nicht entstanden.

Hingegen hat die Partei ein anderes Ziel mit Beharrlichkeit verfolgt: die Stärkung der Basis. Als im Sommer 2007 die nationale GLP gegründet wurde, umfasste sie die Sektionen Zürich und St. Gallen. Heute gibt es 12 Kantonalparteien. Langsam, aber stetig ist die Partei gewachsen. Typische Wachstumsprobleme wie der gleichermassen schwierige Zuzug oder Wegzug von Frustrierten haben nicht zu Schlagzeilen geführt.

(Quelle NZZ)

Klimawandel in den Unternehmen

Wednesday, October 7th, 2009

Das Thema Klimawandel ist aktuell – doch nur wenige Unternehmen handeln auch aktiv: Auf Nachfrage der Anlagestiftung Ethos konnten nur wenige Firmen konkrete Ziele  der Energiekonzern BKW, die Ems-Chemie, der Flughafen Zürich, die Transportfirma Kühne+Nagel (…) keine Antworten geben wie das Thema in der Unternehmensstrategie abgedeckt wird.

Im Gegensatz dazu haben die Novartis, UBS, Lonza, Swisscom oder die Berner Kantonalbank ein konkretes Ziel definiert. So sollte doch heute jeder Manager wissen, dass eine Reduktion der Umweltbelastung auch die Risiken minimieren. Unternehmen mit einem schlechten Gewissen im Bereich der Nachhaltigkeit verlieren an Wettbewerbsfähigkeit. Ob die genannten Firmen gar keine Klimastrategie haben?

Weltenergiebedarf

Wednesday, October 7th, 2009

Derzeit decken wir rund 5% des Weltenergiebedarfs mit Kernenergie. Rund 80% mit fossilen Brennstoffen. Wenn wir die 80% mit Kernenergie decken wollen (und das Öl geht uns gelegentlich aus, was auch niemand bestreitet), brauchen wir 16x mehr Kernbrennstoff. Die derzeitigen bekannten Reserven an Kernbrennstoff reichen 40 Jahre. Rechne! Fazit: Wir sollten nach Alternativen suchen.

Und die Alternative sind nicht zehn Windräder pro Stadt, sondern ein europaweites Netz von hunderten Kraftwerken mit verschiedenen Quellen (Solarenergie, Wind, Wellen, Erdwärme, Speicherkraftwerke etc.), die zwar nie die maximale Nennleistung bringen, aber immer eine statistische Durschnittsleistung, die
für alle reicht. Abgesehen davon gibt es die Idee, die Batterien der künftigen Millionen von Elektroautos als “Speicherkraftwerk” zu nutzen und die Spitzen und Lücken, von denen Sie sprechen, so zu überbrücken.

Ist das so schwer zu verstehen?

Technik vs. Verbrauch

Tuesday, December 23rd, 2008

Verrückt aber Realität: Die Technik wird laufend effizienter, doch noch nie in der Industriegeschichte ging deshalb der Energieverbrauch zurück. Wie effizient die fossile Energie genutzt wird ist somit für unser Klima nicht relevant, es kommt nur darauf an wie viel davon verbraucht wird. Oder einfacher formuliert: Effizienz-steigerung ist keine Klimaschutzmassnahme, sondern eine ökonomische Massnahme um mit weniger Energie auszukommen.

Bei den erneuerbaren Energien ist ähnliches festzustellen: Derzeit werden gewaltige Mengen an Energien in Form von erneuerbaren Energieträgern zu den bestehenden fossilen dazugebaut. Doch ist dies nicht das Ziel. Damit die Wirtschaft klimaver-träglicher wird, braucht es nicht mehr erneuerbare Energieträger, sondern wengier fossile. Der momentane Boom führt nicht dazu, dass die fossilen Energien vom Markt genommen werden, sondern dass die erneuerbaren Energien noch zusätzlich konsumiert werden.

Was kann getan werden? Die Energieeffizienz zu steigern und erneuerbare Energien zu fördern bringt für das Klima nur dann wirklich was, wenn im Gegensatz dazu die fossilen Energieträger reduziert werden: „Man muss den Wasserhahn der Zuleitung zudrehen. Nur wenn weniger Kohlenstoff in die Wirtschaft reingeht, kommt weniger Kohlendioxid hinaus“ (Zitat: Marcel Hänggi).

Die Angst vor dem 2-Liter-Auto

Tuesday, December 23rd, 2008

Klimaschutz geht nur, wenn weniger fossile Energie, d.h. Erdöl, Erdgas und Kohle verbrannt wird. Dies wird erreicht durch Effizienz (dasselbe mit weniger Energie tun), Substitution (dasselbe mit anderer Energie tun) oder durch den Königsweg: Verzicht; weniger tun, mehr Genügsamkeit. Dies verlangt kein technischer Fortschritt sondern eine Verhaltensänderung.

Das Potential für Effizienzsteigerungen ist gewaltig. Einsparungen von 80 Prozent beim Bedarf sind locker möglich. Doch die Effizienzgewinne wurden nicht dazu genutzt sparsamere Autos zu bauen, sondern stärkere, schneller und schwerere. Das Modell T von Ford aus dem Jahre 1908 verbrauchte pro Kilometer nicht mehr Benzin als ein heutiger Offroader!

Wenn also die Autos bezüglich der Kilometerleistung immer effizienter werden, gleichzeitig aber die Wege länger (wir können es uns ja leisten, meine Auto braucht nur zwei Liter….) werden, ist nichts gewonnen: Quartierläden würden nicht verschwinden und Einkaufszentren nicht auf der grünen Wiese gebaut, wenn die Kunden nicht billig und schnell dorthin gelangen.

In der Ökonomie heissen solche Effekte Rebound, d.h. einen Teil der Einsparung wird gleich wieder verbraucht. Führt die Effizienz sogar zu einem grösseren Konsum, so spricht man von Backfire (….der berühmte Schuss, welcher nach hinten los geht!).

In den Industrieländern wird schon heute viel mit dem Auto gefahren. Ein grosser Rebound ist durch das 2-Liter-Auto nicht zu erwarten. In ärmeren Ländern könnte dies jedoch ganz anders aussehen, und das von vielen erträumte Zweiliterauto würde zum Albtraum, wenn das Auto dadurch zum allgemeinen Massengut wird.

Indirekt gilt das Prinzip auch für uns. Spart man Energie und damit Geld, kann man das Geld wieder für etwas anderes ausgeben. Wer dank besseren Fenstern Geld spart und damit in die Ferien fliegt, erzeugt einen indirekten Rebound. Am einfachsten sorgt man dafür, dass das Geld gar nicht in Umlauf gerät – zum Beispiel indem man weniger arbeitet und weniger verdient. Das wäre dann eine positive Verhaltensänderung… ; -)

Der liberale Klimawandel

Tuesday, December 23rd, 2008

Für das Klima ist die aufziehende Rezession eine gute Nachricht. Aber das ist nicht die Art von Klimaschutz die wir uns wünschen. Bei unserem heutigen Wirtschafts-modell gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch. Alle reden nun davon, diese zwei Grössen voneinander zu entkoppeln. Ist dies überhaupt möglich? Seit dem Beginn der industriellen Revolution um 1880 leben wir vom Raubbau an fossiler Energie. Kohle, Öl und Gas. Mit anderen Worten: Unser Wachstum wurde grösser und schneller je billiger die Energie wurde. Nun bekommt das lange so erfolgreiche Modell Risse. Nun soll uns wieder mal die Kernenergie, ja sogar die Kernfusion mit billiger Energie versorgen. Noch schlimmer: China baut die Kohlenutzung stark aus, und sogar Deutschland zieht nach.

Dabei wäre es eigentlich allen klar, dass es genau in die entgegengesetze Richtung gehen muss. Bereits 2005 hat die US-Regierung in einem Papier festgehalten, dass mit „beispiellosen ökonomischen, sozialen und politischen Konsequenzen und Kosten“ zu rechnen ist, wenn der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern nicht mindestens 20 Jahre vor dem Fördermaximum angegangen wird.

Nach verschiedenen Quellen dürfte der „Peak Oil“ bereits erreicht, oder zumindest annähernd erreicht sein, ohne dass wir uns ernsthaft mit dem Ausstieg befasst haben. Im Gegenteil: Die Schweiz plant bekanntlich drei neue Atomkraftwerke!

Früher war es ja sowieso viel besser. Schädliche Schadstoffe wurden kurzerhand verboten oder mit dem Einbau von Katalysatoren und Filtern zurückgehalten. Aber eigentlich machte man im System einfach weiter wie gewohnt. Bei den Treibhaus-gasen funktioniert dies jedoch (leider? zum Glück?) nicht mehr. Diesmal geht es nicht, ohne dass wir unseren Lebensstil ändern. Al Gore hat uns zwar versucht einzureden, dass es auch ohne Verzicht zu schaffen ist. Ich denke nicht, dass es möglich ist einfach so weiterzumachen und den Klimawandel in den Griff zu bekommen.

 „Wir konsumieren immer mehr, fliegen immer weiter und leben in immer grösseren Wohnungen, doch wir werden nicht glücklicher“

 Ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht, es geht wohl nur über eine Entkopplung von Wohlstand und Wachstum. Ab einem gewissen Lebensstandard ist es nicht mehr angezeigt, dass unendlicher Wachstum auch glücklicher macht. Aber unsere ach so liberale Wirtschaft ist bis heute zum Wachstumszwang verdammt. Sonst droht der ultimative Kollaps, wie er bereits heute vor der Türe steht. Das Überleben eines liberalen Wirtschaftsmodells braucht Einschränkungen. Der freiwillige Verzicht liegt uns nicht, es braucht Verbote.

Atomkraft

Friday, December 12th, 2008

Energiesystem muss umgebaut werden

«Neue Atomkraftwerke: Konzerne reichen Gesuche auf Vorrat ein», Ausgabe vom 5. Dezember

Nur wenige Stunden nach dem wuchtigen 76-Prozent-Nein der Stadtzürcher zu neuen Atomkraftwerken wurde von den Stromgiganten bekannt gegeben, dass nun auch noch ein drittes neues Atomkraftwerk in der Schweiz gebaut werden soll. Ich stelle mir die Frage, wie realitätsfremd gewisse Manager immer noch sind.

In der Schweiz wird nie mehr ein Atomkraftwerk gebaut! Nicht weil die Bevölkerung dies sowieso ablehnt, sondern weil die Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien die Atomstrombarone schon längst überholt hat. Nur haben sie es noch nicht gemerkt! Allein in Spanien wurde innert anderthalb Jahren nur mit Solaranlagen eine Leistung von 1000 MW neu installiert. Dies entspricht etwa der Leistung eines Atomkraftwerkes. In den nächsten Jahren wird die Fotovoltaik-Welle Europa überrollen - und auch die Schweiz. Bis die ersten neuen AKW gebaut sind, könnten so viele Anlagen gebaut werden, dass mehrere Kraftwerke ersetzt werden könnten. Davor fürchten sich aber Politik und Elektrizitätswirtschaft.

Die Krise in der amerikanischen Automobilindustrie zeigt es uns sehr deutlich: In einem freien Markt überleben nur Firmen, welche die Nachhaltigkeit ins Zentrum ihrer Tätigkeit stellen. In der Schweiz wurde der Solarboom komplett verschlafen. Das klare Abstimmungsergebnis ist ein Weckruf aus Zürich an die Schweiz, endlich zu handeln und nicht nur immer davon zu sprechen. Nutzen wir die verbleibende Zeit, um unser Energiesystem umzubauen. Jetzt.

Leserbrief NLZ, 7. Dezember 2008, Jules Gut, Luzern, Vorstand Grünliberale Partei Stadt Luzern