Der liberale Klimawandel
Für das Klima ist die aufziehende Rezession eine gute Nachricht. Aber das ist nicht die Art von Klimaschutz die wir uns wünschen. Bei unserem heutigen Wirtschafts-modell gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch. Alle reden nun davon, diese zwei Grössen voneinander zu entkoppeln. Ist dies überhaupt möglich? Seit dem Beginn der industriellen Revolution um 1880 leben wir vom Raubbau an fossiler Energie. Kohle, Öl und Gas. Mit anderen Worten: Unser Wachstum wurde grösser und schneller je billiger die Energie wurde. Nun bekommt das lange so erfolgreiche Modell Risse. Nun soll uns wieder mal die Kernenergie, ja sogar die Kernfusion mit billiger Energie versorgen. Noch schlimmer: China baut die Kohlenutzung stark aus, und sogar Deutschland zieht nach.
Dabei wäre es eigentlich allen klar, dass es genau in die entgegengesetze Richtung gehen muss. Bereits 2005 hat die US-Regierung in einem Papier festgehalten, dass mit „beispiellosen ökonomischen, sozialen und politischen Konsequenzen und Kosten“ zu rechnen ist, wenn der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern nicht mindestens 20 Jahre vor dem Fördermaximum angegangen wird.
Nach verschiedenen Quellen dürfte der „Peak Oil“ bereits erreicht, oder zumindest annähernd erreicht sein, ohne dass wir uns ernsthaft mit dem Ausstieg befasst haben. Im Gegenteil: Die Schweiz plant bekanntlich drei neue Atomkraftwerke!
Früher war es ja sowieso viel besser. Schädliche Schadstoffe wurden kurzerhand verboten oder mit dem Einbau von Katalysatoren und Filtern zurückgehalten. Aber eigentlich machte man im System einfach weiter wie gewohnt. Bei den Treibhaus-gasen funktioniert dies jedoch (leider? zum Glück?) nicht mehr. Diesmal geht es nicht, ohne dass wir unseren Lebensstil ändern. Al Gore hat uns zwar versucht einzureden, dass es auch ohne Verzicht zu schaffen ist. Ich denke nicht, dass es möglich ist einfach so weiterzumachen und den Klimawandel in den Griff zu bekommen.
„Wir konsumieren immer mehr, fliegen immer weiter und leben in immer grösseren Wohnungen, doch wir werden nicht glücklicher“
Ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht, es geht wohl nur über eine Entkopplung von Wohlstand und Wachstum. Ab einem gewissen Lebensstandard ist es nicht mehr angezeigt, dass unendlicher Wachstum auch glücklicher macht. Aber unsere ach so liberale Wirtschaft ist bis heute zum Wachstumszwang verdammt. Sonst droht der ultimative Kollaps, wie er bereits heute vor der Türe steht. Das Überleben eines liberalen Wirtschaftsmodells braucht Einschränkungen. Der freiwillige Verzicht liegt uns nicht, es braucht Verbote.